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Projekt: Trauma-Seminare und Trauma-Betreuung

Geschulte Betreuer für traumatisierte Christen

Dass Verfolgung traumatisch ist, leuchtet ein. Weniger klar ist, dass die Opfer seelische und geistige Wunden davontragen. Wir denken vor allem an die geistige Dimension. Jesus sagte: «Selig sind die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden ...» Wenn aber jemand misshandelt wird oder im Gefängnis sitzt oder um sein Leben rennen muss, wenn eine Familie alles verliert und monatelang in einem Flüchtlingslager haust, dann fühlt sich das nicht wie ein Segen an.

Hinter jedem Bericht über Verfolgung stecken Geschichten von menschlichem Leid. Die Trauma-Support-Teams von Open Doors hören sie Tag für Tag. Und sie schulen Pastoren und Laienleiter, damit diese betroffene Christen in ihren Gemeinden betreuen können.

Der Präsenz-Dienst ist seit den Anfängen ein Schwerpunkt der Arbeit von Open Doors. Die Mitarbeiter liefern nicht nur Material und organisieren Schulungen. Sie legen die Arme um die Schultern verfolgter Christen, beten mit ihnen und ermutigen sie. Trauma-Betreuung ist eine Fortsetzung dieses Dienstes. «Wir wollen ihnen helfen, erlittenes Leid und Verlust zu verarbeiten und gleichzeitig zu sehen, welche Rolle Gott in ihrer Geschichte spielt», erklärt eine Betreuerin.

Ermutigung für den eigenen Glauben
Diese Aufgabe kann manchmal fast unerträglich sein, doch das Support-Team ist nicht entmutigt. Denn die siegreichen Gläubigen haben denjenigen, die in Sicherheit leben, viel zu geben. «Sie fordern mich und meinen Glauben heraus», sagt eine Mitarbeiterin. Sie erzählt von einer Frau mit einer schweren Beinverletzung, der sie in einem Flüchtlingslager begegnete. Sie wohnte an drei Orten und wurde jedes Mal vertrieben. «In einer Nacht brachen alle Probleme über sie herein. ‘Was wenn ich operiert werden muss, wenn mein Mann nicht genug verdient, um den Arzt zu bezahlen, wie mit diesen Schmerzen leben?’ Schließlich fielen ihr Paulus und Silas ein, die im Gefängnis zusammen sangen (Apg 16).» Die Frau rezitierte alle Bibelverse und sang alle christlichen Lieder, an die sie sich erinnerte, und bei Sonnenaufgang war die Angst weg. Freude und der Friede Gottes erfüllten sie. «Ich hätte in dieser Situation nicht an so etwas gedacht», sagt die Mitarbeiterin. «Diese Frau zeigte mir, was Freude inmitten von Leid ist: durch Schmerz hindurch Gott finden.»

Trauma 4Seminare zur Trauma-Begleitung werden u.a. im Irak, in Syrien, Nigeria, Kenia, der ZAR und den Palästinensergebieten angeboten.

 

 

 

 

Interview mit einem Experten für Trauma-Begleitung im Nahen Osten

Seit 2008 bietet OD zusammen mit lokalen Partnern Trauma-Seminare im Irak an. Was beinhalten sie?
Die Themen richten sich nach den Vorkenntnissen und Arbeitsbereichen der Teilnehmer. Das Wichtigste ist, das Bewusstsein für die Existenz von Traumata zu schärfen und Tools zu vermitteln, auf die sie im Umgang mit traumatisierten Menschen zurückgreifen können. Trauma-Begleiter helfen den Betroffenen zu verstehen, dass Ängste, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, geistliche Lethargie o.ä. normale Symptome sind.

Wer wird als Trauma-Begleiter ausgebildet?
Pro Seminar haben wir rund 25 Teilnehmer aus dem ganzen Land, darunter viele Priester und Ordensfrauen, aber auch freiwillige Kirchenmitarbeiter. Viele tragen wegen der Krise mehr Verantwortung als sonst. Einige sind selbst Binnenflüchtlinge. Manchmal werden auch Nichtchristen geschult.

Wie läuft so eine Schulung ab?
Ein Basisseminar dauert drei Tage und besteht aus Gruppensessionen und praktischen Übungen. Danach gibt es mehrere Weiterbildungs-Möglichkeiten. Die Teilnehmer können selbst Trauma-Hilfe in Anspruch nehmen. Wenn möglich besucht der Seminarleiter ihre Arbeitsplätze.

Weshalb ist Trauma-Schulung in der aktuellen Lage wichtig?
Viele Christen hatten mit Flüchtlingen zu tun und standen mit einem Schlag vor Aufgaben, die sie überforderten. Sie brauchten Unterstützung und Rat. Sie müssen lernen, mit der Situation umzugehen, denn die Krise wird nicht so rasch zu Ende sein.

Wer sind die Menschen, die betreut werden?
Sie kommen aus allen Teilen des Landes. Manche wurden mehr als einmal vertrieben, was ihre Lage verschlechtert. Sie sind wie Pflanzen, die zum wiederholten Mal entwurzelt wurden. Mit jedem Mal werden sie schwächer und fühlen sich nirgendwo mehr sicher.

Wie können die Betreuer sich selbst schützen und mit der Belastung fertig werden?
Wir ermutigen sie, Gruppen zu bilden, in denen die Betreuer sich gegenseitig stützen und helfen. Das ist dringend nötig, damit sie auf längere Zeit hinaus Kraft haben für diese Aufgabe.

Zitat
Trauma 3«Im Irak sind viele Menschen seelisch verwundet. Sie haben alles verloren, ihre Häuser, ihre Existenz und ihre Träume. Das wirkt sich auch auf die Kinder aus. Früher haben wir geredet und geredet. Aber niemand hat den Kindern zugehört, bei denen sich ein Wust an verstörenden Erinnerungen und Gefühlen angestaut hat. Durch diese Schulung wurde mir bewusst, dass sie all das Negative herauslassen und wir ihnen zuhören müssen.»
Pater Daniel (24) nach dem Besuch eines Trauma-Seminars, das von einer Partnerorganisation von OD organisiert wurde. Er arbeitet mit Flüchtlingskindern.