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Usbekistan

Überblick

Der Tod des langjährigen Präsidenten Islam Karimov erschütterte Usbekistan im Jahr 2016. Sein Nachfolger, Shavkat Mirziyoyev, war 13 Jahre lang Premierminister. Wahrscheinlich wird sich unter seiner Regierung für die Christen nichts ändern. Sie werden häufig als «Extremisten» bezeichnet, die Staat und Gesellschaft destabilisieren, weil sie ihren Glauben ausserhalb der erlaubten staatlichen Strukturen ausüben. Sie werden streng überwacht, ihre Gemeinschaften stehen unter der Beobachtung von Polizei und Antiterroreinheiten, christliche Literatur wird konfisziert. Christliche Gemeinschaften müssen sich registrieren lassen, wobei in den vergangenen 15 Jahren jeder Antrag dazu abgelehnt worden ist. Zunehmend lassen die Gläubigen ihre Gemeinschaften nicht mehr registrieren, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und gehen in den Untergrund. 

Ursachen der Verfolgung

In erster Linie ist es der Staat, der jede religiöse Praxis fürchtet und damit federführend jede religiöse Praxis unterdrückt. Die Regierung tut alles, um die eigene Macht zu erhalten. Razzien in den Kirchen, die Konfiszierung christlicher Literatur, inklusive aller Bibeln und immer drastischere Strafen, wenn Christen ihren Glauben ausüben und dabei erwischt werden. Der gegenwärtige Staatspräsident Islam Karimov ist sehr alt. Aufgrund des sich abzeichnenden Regierungswechsels verschärft sich die Kontrolle und der Druck auf nicht regimetreue Usbeken. Eine weitere Quelle der Unterdrückung ist die Korruption. Schmiergelder und Bestechung kommen auf allen Ebenen der Verwaltung und der Regierung vor. Nicht nur Christen leiden unter diesen Verhältnissen, sondern alle, die sich offen gegen diese Missstände protestieren und dagegenstellen.

Hintergrundinfo zur christlichen Minderheit

Wie in vielen muslimisch geprägten Ländern sehen sich die Konvertiten noch zusätzlichen Repressalien durch das familiäre und kulturelle Umfeld ausgesetzt, sobald ihre Bekehrung zum christlichen Glauben bekannt wird. Denn ihre Konversion bringt nicht nur Schande über die Familie, sondern die ganze Dorfgemeinschaft (Mahalla), weil sie ihre traditionelle Religion für einen fremden, ausländischen entweder russisch-orthodoxen oder protestantischen und damit westlichen Glauben aufgeben. Ihre Bewegungsfreiheit und ihre Entfaltungsmöglichkeiten haben sich durch die von der Regierung eingesetzten Spitzel und Kontrolleure zusätzlich verschärft, die die Einwohner überwachen und den staatlichen Autoritäten Bericht erstatten.

Im ganzen Land können Kirchen und kirchliche Gebäude immer wieder durchsucht werden. Gottesdienste werden unterbrochen oder annulliert und christliche Literatur konfisziert. Christen werden misshandelt, verhaftet oder inhaftiert. Die Gründe dazu sind absolut fadenscheinig: von «illegaler religiöser Aktivität» bis hin zu «Extremismus» lauten die Anschuldigungen. Unter Extremismusverdacht fallen ebenfalls Gebetsversammlungen oder der «illegale» Besitz religiöser Literatur, die der Staat willkürlich und mit der grössten Selbstverständlichkeit kriminalisiert. Und wie das Beispiel von Tohar Haydarov zeigt, der als Mitglied einer nicht offiziell anerkannten Baptistengemeinde im März 2010 zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde, scheut sich der Staat keineswegs, falsche Anschuldigungen zu erheben oder den Gläubigen Straftaten unterzuschieben.

Druck und Einfuhr christlicher Literatur ist ebenso eingeschränkt wie die Einbindung ausländischer Mitarbeiter. Kirchen und Gemeinden müssen sich registrieren lassen, wobei in den vergangenen 15 Jahren jeder Antrag dazu abgelehnt worden ist. Kirchen und Gemeinden lassen sich allerdings je länger je mehr nicht mehr registrieren, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, weil auch die Gefahr besteht, dass sie ihre Gebäude im Laufe des Registrierungsprozesses verlieren. Da es damit quasi unmöglich ist, eine Bewilligung zu erhalten, agieren die Mehrheit der protestantischen Gemeinden im Untergrund. Mehr und mehr beginnt auch die russisch-orthodoxe Kirche Einschränkungen durch den Staat zu spüren.

Christen müssen mit drakonischen Strafen rechnen, wenn sie mit christlicher Literatur erwischt werden oder sich versammeln. Aus diesem Grund distanzieren sich die einzelnen Gemeinden voneinander und arbeiten wenig zusammen. Es ist völlig unmöglich, eine Allianz oder nur schon einen Kirchenrat zu bilden. Es ist weiter sehr kompliziert und aufwändig, grössere Versammlungen oder Aus- und Weiterbildungen zu organisieren, da es verboten ist, Gottesdienste in usbekischer Sprache zu halten oder Kirchenlieder zu singen. Denn beides löst eine Reaktion des Staates wie auch der Mahalla aus.

 
Tohar Haydarov

Schreiben Sie Tohar Haydarov

Der ehemalige Muslim Tohar Haydarov (1983), der sich zum Christentum bekehrt hat und Mitglied der Baptistengemeinde von Gulistan ist, wird seit dem Juli 2010, in einem 400 km von seiner Heimatstadt entfernten Arbeitslager festgehalten. Schreiben Sie ihm eine kurze ermutigende Botschaft.

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