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Türkei

Überblick

In der Türkei erreichten die Demonstrationen gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan am 15. Juli 2016 ihren Höhepunkt. Die Regierung reagierte darauf so autoritär und repressiv, dass das Land mittlerweile einer Diktatur gleicht. Zusätzlich zum islamisch motivierten Radikalismus, der unverkennbar zunimmt, beeinflusst Erdogans Willkürherrschaft alle Bereiche der Gesellschaft. Wie auch der Konflikt mit der Minderheit der Kurden, der seit Jahren ungelöst dahin schwellt, bzw. immer wieder aufflammt. All diese Einflüsse lassen sich nicht voneinander trennen, sondern haben ihren unheilvollen Beitrag an den Spannungen im Land und damit auch auf die Stellung der türkischen Kirche. Die Türkei gilt offiziell zwar als laizistischer Staat, aber Christen werden durch das Gesetz diskriminiert. So muss beispielsweise auf dem Personalausweis die Religionszugehörigkeit angegeben werden, was sowohl soziale wie familiäre Konsequenzen nach sich zieht, wenn jemand vom Islam zum Christentum übertritt.

Ursachen der Verfolgung

Als Ursache der Verfolgung und Diskriminierung ist der islamische Radikalismus und der religiös motivierte Nationalismus zu nennen. Leidtragende sind Christen jeder Konfession oder Denomination. Sie werden in allen Lebensbereichen diskriminiert: familiär, gesellschaftlich und im zivilen wie kirchlichen Leben. Obwohl sich die Unterdrückung selten in gewalttätigen Ausbrüchen äussert, ist die Präsenz der islamistischen Extremisten im ganzen Land Drohung genug, vor allem für Pastoren und Konvertiten, die sich vom Islam zum Christentum bekehrt haben.

Zur Situation der Christen

Die 187 000 Christen der Türkei zählen sich entweder zur armenischen oder zur griechisch-orthodoxen Kirche, oder sind syrisch-orthodox, chaldäisch-katholisch oder gehören zu einer kleinen protestantisch geprägten Freikirche. Offiziell durch die Regierung anerkannt sind die armenische und griechisch-orthodoxe Kirche. Die Mitglieder der nicht anerkannten Gemeinden und Gemeinschaften treffen sich in privaten Wohnungen oder Lokalitäten und sind sehr darauf bedacht, keine Aufmerksamkeit bei den Nachbarn zu erregen.

Der christliche Bevölkerungsanteil hat in den letzten Jahren durch irakische und syrische Flüchtlinge zugenommen, was den türkischen Nationalismus leider auch anheizt und die Gesellschaft zusätzlich radikalisiert, was sich in einer grösseren Intoleranz gegenüber Christen äussert.

Beispiele der Verfolgung

25. Februar 2016: Vier muslimische Männer beschädigen die Kirche «Agape». Dabei schreien sie dschihadistische Parolen.

12. August 2016: Dem orthodoxen Kloster von Sumela wird die Erlaubnis für Gottesdienste wieder entzogen. Es hatte im 2010 seine Tore öffnen können, nachdem ihm 88 Jahre lang jede Tätigkeiten verboten war.


 
Semse Aydin

Ich will keine Rache

Tilmann Geske arbeitet als Übersetzer und Mitarbeiter an einer türkischen Studienbibel in der Osttürkei. Mission ist in der Türkei zwar offiziell erlaubt, aber gesellschaftlich nicht akzeptiert

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Armenische Kathedrale in Diyarbakir

Kathedrale erneut geweiht

Nur wenige Stunden bevor ein Erdbeben der Stärke 7,2 am 23. Oktober den Südosten der Türkei erschütterte, drängten im nahe gelegenen Diyarbakir mehr als 3’000 Besucher zur Sonntagsmesse in eine uralte armenische Kathedrale.

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Semse Aydin

Interview mit der Witwe Semse Aydin

Am 18. April 2007 wurden in der Türkei zum ersten Mal seit Beginn der türkischen Republik um 1923 mehrere türkische Christen islamischer Herkunft ermordet. Es war ein grausamer Schlag gegen die kleine türkische Gemeinschaft, als fünf junge Muslime, 19 bis 20 Jahre alt, das Leben von drei Menschen auslöschten. Zwei von ihnen waren türkische Muslime, bevor sie sich vor langer Zeit zu Christus bekehrt hatten und begannen, für ein christliches Verlagshaus zu arbeiten. Im Jahr 2008 gab Semse Aydin die Witwe eines der Opfer ein Interview.

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