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Saudi-Arabien

Überblick

Die Differenzen zwischen der konservativen Herrscherfamilie und einer Bevölkerungsmehrheit, die jünger als 30 Jahre alt ist, werden immer grösser. Satellitenfernsehen, Internet und soziale Medien beeinflussen die junge Generation, verändern ihre Denkweise und bestimmen immer mehr ihre Art zu leben. Sie wollen vor allem mehr Freiheit. Besonders Frauen wollen sich der Macht der Religionspolizei nicht mehr unterwerfen. Die allgemeine Unzufriedenheit wird zusätzlich genährt durch die Tatsache, dass immer mehr saudische Bürger arbeitslos sind.

Diese Entwicklung kann sich sowohl zu einem Vorteil oder auch nachteilig auswirken. Entweder führt sie zu einem radikalen Islam (etliche Imame sind auf Twitter sehr aktiv), zu zivilem Ungehorsam, bzw. Aufstand (beispielsweise für das Recht der Frauen Auto zu fahren) oder zu einer Verschiebung des religiösen Verhältnisses (immer mehr Muslime, wenden sich dem christlichen Glauben zu).

In den ersten Jahrhunderten nach Christus lebte in Saudi-Arabien eine grosse christliche Gemeinschaft. Christliche Priester, jüdische Rabbis, Kirchen und Synagogen prägten das religiöse Bild. Der Siegeszug des Islam im 7. bis 10. Jahrhundert machte dem ein Ende. Juden wie Christen mussten entweder zum Islam konvertieren oder fliehen. Christliche Riten oder Gottesdienste sind heute in der Öffentlichkeit inexistent, bzw. verboten. Erlaubt ist nur eine rigide und konservative sunnitische Form des Islam, der sogenannte Wahhabismus, eine strenge salafitische Auslegung. Saudische Bürger sind automatisch Muslime.

Ursachen der Verfolgung

Der Hauptmechanismus der Verfolgung ist ein extrem verstandener Islamismus. Christen werden in allen Bereichen ihres Lebens unterdrückt, sowohl privat, familiär und sozial, im zivilen und im kirchlichen Leben. Die Unterdrückung betrifft saudische und ausländische Christen gleichermassen, wobei allemal saudischen Glaubensgeschwister und Konvertiten den grösseren Preis bezahlen, da der Religionswechsel, die sogenannte Apostasie, unter Todesstrafe steht.

Hintergrundinfo zur christlichen Minderheit

Die grosse Mehrheit der in Saudi-Arabien lebenden 1,4 Millionen Christen sind philippinischer oder indischer Abstammung. Sie leben und arbeiten als Ausländer für eine gewisse Zeit im Land. Eine Minderheit kommt auch aus Afrika oder dem Westen. Sie leben mit dem Risiko verhaftet, geschlagen oder gefoltert zu werden, ins Gefängnis geworfen oder ausgewiesen zu werden.

Es gibt keine kirchlichen Gebäude in Saudi-Arabien und Hauskirchen stehen unter ständiger Überwachung durch die Polizei.

Beispiele der Verfolgung

27. August 2016: Die Polizei verhaftet in der Gegend von Mekka 27 libanesische Christen, inkl. Frauen und Kinder, in ihrem Zuhause. Sie werden angeklagt, weil sie Bibeln besitzen und sich versammeln. Man zieht ihre Pässe ein und verweist sie des Landes. Sie gehen zurück in den Libanon.