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Libyen

Überblick

Die Situation in Libyen ist sechs Jahre nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi absolut festgefahren. Es herrscht Anarchie, Rechtslosigkeit und Unsicherheit. Lokale Milizen beherrschen weite Teile des Landes. Der zaghafte Versuch der UNO eine Einheitsregierung zu bilden ist gescheitert, während es die vom Westen unterstützten Kräfte geschafft haben, den Islamischen Staat (IS) aus seiner Bastion nahe der Hafenstadt Syrte zu vertreiben.

Schmugglerbanden der Armee und Menschenhandel machen die Verhältnisse noch undurchschaubarer.

Libysche wie ausländische Christen sind ein Spielball zwischen fanatisch religiösen Gruppierungen und kriminellen Organisationen und ihnen völlig ausgeliefert. Libyen gilt zurzeit als das Land Nordafrikas, in dem Christen am stärksten verfolgt werden. Das islamische Gesetz, die Scharia, gilt für die gesamte Bevölkerung und als Glaubensüberzeugung ist einzig der sunnitische Islam akzeptiert.

Ursachen der Verfolgung

In erster Linie ist es ein extremer Islamismus, der zur Hetze der Christen aufruft. Wie in den meisten muslimischen Ländern, kommen auch hier Konvertiten auf allen Ebenen der Gesellschaft unter Druck, wenn sie den Glauben wechseln. Sie werden von ihren Familien wegen ihres neuen Glaubens bedroht und teilweise schwer misshandelt.

Hintergrundinfo zur christlichen Minderheit

Der grösste Teil der 20 000 Personen zählenden christlichen Gemeinschaft in Libyen sind Christen ausländischer Herkunft. Ihre Anzahl hat allerdings aufgrund der generell schwierigen Lage stark abgenommen.

Libysche Christen halten ihren Glauben geheim, weil sie fürchten verfolgt zu werden. Unter Muammar al-Gaddafi wurden sie von Staates wegen und dem Geheimdienst ebenfalls verfolgt und mussten Repressionen sowohl im privaten, familiären, sozialen, zivilen und kirchlichen Leben erdulden. Diese unrühmliche Aufgabe haben heute die radikalen Islamisten übernommen.

Beispiele der Verfolgung

6. November 2015: Islamisten töten zwei ägyptische Christen je durch einen Kopfschuss. Es wird vermutet, dass sie die zwei Christen unter dem Vorwand einer Arbeitsmöglichkeit in eine Falle gelockt haben. Ihre Leichen werden erst nach einer Woche entdeckt.

11. Januar 2016: Ein Dutzend Muslime picken 12 afrikanische Christen aus der Menge von 105 Migranten auf einem Flüchtlingsboot heraus und werfen sie über Bord und lassen sie ertrinken.

10. März 2016: In der Küstenstadt Bengasi verhaftet die lybische Polizei 4 koptische Christen und klagt sie an, missionarisch tätig gewesen sein.