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Iran

Überblick

Die Wahl von Präsident Rouhani im Jahr 2013 hat die grossen Erwartungen auf eine Öffnung des Landes nicht erfüllt. Die seit 1979 existierende islamische Republik steht weiterhin unter der Herrschaft des obersten Religionsführers der Schiiten. Der Einfluss des schiitischen Klerus’ auf Regierung und Politik ist gross und die Bemühungen, im ganzen Nahen Osten einen schiitischen Islam zu etablieren, augenfällig. Das Christentum gilt als Bedrohung für die islamische Identität.

Die schiitische Strömung des Islam ist Staatsreligion und die Rechtssammlungen stützen sich auf die Prinzipien der Scharia. Ein gebürtiger Perser (oder iranstämmiger Staatsbürger) ist von Staates wegen immer muslimisch. Nur Nachfahren der Assyrer oder Armenier haben das Recht, Christen zu sein. Diese historischen Minderheiten geniessen zwar Versammlungsfreiheit, aber sie dürfen weder öffentlich zu ihrem Glauben stehen noch ihre Gottesdienste in Farsi abhalten. Doch die christliche Gemeinschaft im Iran wächst und zählt aktuell rund 800 000 Glaubensgeschwister. Der Religionsführer Ali Khamenei hat in seiner Rede vom 19. Oktober 2010 offen zugegeben, dass sich das Christentum im Iran ausbreite. Er beschuldigte die «Feinde des Islam, durch ihr Handeln, diese Ausbreitung des Christentums im Iran zu fördern.» und verurteilte das entstandene Netz von Hausgemeinden.

Den Iranern selber ist es verboten, eine assyrische oder armenische Kirche zu betreten. Mitgliedern der Polizei oder des Geheimdienstes ist dies zu Kontrollzwecken erlaubt. Im Jahr 2014 verhafteten sie mindestens 75 Christen und im darauffolgenden Jahr rund 108. Im vergangenen Jahr 2016 stieg die Anzahl Verhaftungen auf 193. Es gibt dabei einen klaren Zusammenhang zwischen der Anzahl verhafteter Christen und der Anzahl Gemeinen, die in den Untergrund gehen.

Ursachen der Verfolgung

Die Verfolgung der Nicht-Muslime hat seit 2005 zugenommen. Hauptsächliche Ursache ist ein extrem verstandener Islam.

Hintergrundinfo zur christlichen Minderheit

Iranstämmige oder persische Christen gelten als «Abtrünnige» und werden diskriminiert, körperlich bedroht, belästigt, verhaftet und gefoltert. Dabei werden Konvertiten zusätzlich durch ihr früheres muslimisches Umfeld, ihre Familien und staatliche Autoritäten solange unter Druck gesetzt, bis zum Islam zurückkehren.

Beispiele der Verfolgung:

1. November 2015: In der Nähe von Teheran verhaften die Sicherheitsbehörden bei einer Razzia in Varamin 13 Christen* einer Hauskirche und nehmen die Personalien eines weiteren Mitgliedes aus Teheran auf.

10. März 2016: Vier Christen, die im März 2012 verhaftet wurden, werden verurteilt, weil sie mithalfen, «das Christentum zu verbreiten» und ihre Haftstrafe verlängert. Pastor Khaki, einer der Verurteilten, wird von seinen Mithäftlingen misshandelt.

17. September 2016: Maryam Naghash Zargaran muss nach der medizinischen Unterbrechung ihrer Haftstrafe wieder ins Teheraner Evin-Gefängnis zurückkehren. Trotz ihres bedenklichen Gesundheitszustandes.

(*) Fussnote: Aus Sicherheitsgründen legen wir keine Namen der betroffenen Personen offen.

 
Maryam und Marzieh

Interview: 259 Tage im Gefängnis

Weil sie Jesus nachfolgen, wurden sie eingesperrt. Zum ersten Mal seit ihrer Freilassung sprechen Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh über die achteinhalb Monate im berüchtigten Gefängnis Evin in Teheran.

Ganzes Interview 
Die Kirche im Iran zwischen Abwanderung, Verfolgung und neuem Leben

Christen im Iran

Seit der islamischen Revolution 1979 und dem Beginn des Mullahregimes aus schiitischen Geistlichen hat die Kirche im Iran einen schweren Stand. Mit dem Machtantritt von Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich die Lage weiter verschlechtert. Bespitzelung, Hausdurchsuchungen, Verhöre, Misshandlungen und Gefängnis sind nur einige Druckmittel, mit denen das Regime versucht, Christen muslimischer Herkunft zum Islam zurückzubringen.

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