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Indonesien

Überblick

Der grösste Inselstaat der Welt war lange Zeit berühmt für seine tolerante Auslegung des Islam, die den Minderheiten einen gewissen Freiraum gewährte und die das Zusammenleben verschiedener Religionen ermöglichte. Die Hoffnung, dass die Republik Indonesien mit ihren über 17 000 Inseln vom Islamischen Staat (IS) unberührt bleibt, hat sich zerschlagen und ist mit dem Attentat durch die IS auf ein Café in Djakarta zerplatzt. 14 Personen verloren bei diesem Anschlag im Januar 2016 ihr Leben. Obwohl es den Regierungstruppen im Juli 2016 gelang, in Sulawesi einen massgeblichen Führer der Terrororganisation zu töten, verursacht die Existenz des IS immer mehr Probleme, gerade weil sie als Teil der weltweit operierenden Terrororganisation über schier unerschöpfliche Ressourcen und Ansehen verfügt.

Andere Veränderungen hingegen sind und bleiben ermutigend. Obwohl in der Provinz Aceh im Westen Indonesiens die Scharia als Gesetz ihre Gültigkeit hat, versichert der aktuelle Staatspräsidenten Joko Widodo, der seit Oktober 2014 die Regierungshoheit innehat, dass er sich persönlich dafür einsetzen werde, dass unter seiner Regierung religiöse Minderheiten ihren Platz hätten. Beispielsweise müssen die Anhänger der indigenen Völker in Bezug auf ihre Religionszugehörigkeit nicht mehr zwischen den sechs offiziellen Glaubensbekenntnissen wählen, die dann auf ihrer Identitätskarte vermerkt wird.

Trotz dieser positiven Erscheinungen wird Christen der Registrationsprozess für ihre Gemeinschaften bewusst erschwert und hat die Anzahl Angriffe durch islamische Extremistengruppen zugenommen.

Ursachen der Verfolgung

Die Behinderungen, unter denen speziell Christen zu leiden haben, lassen sich als Folge eines extremen Islamismus deklarieren, der gepaart ist mit einem religiösen Nationalismus und einer systematischen Korruption. Besonders gefährdet sind Christen oder Konvertiten mit einem muslimischen Hintergrund.

Zur Situation der Christen

Gemäss einer Schätzung der Stiftung Wahid vom August 2016 lassen sich in Indonesien rund 8 % der Bevölkerung «erwachsenen Christen zuordnen, die unflexibel an ihrem Glauben festhalten» – so die Lesart der Stiftung. In Wahrheit ist der Anteil höher und beträgt etwa 16 %. Ein Drittel davon sind Katholiken. Die christlichen Gemeinschaften sind vor allem auf gesellschaftlicher Ebene gefährdet und leiden in bestimmten Regionen unter sporadischen Gewaltausbrüchen durch ihr Umfeld. Die jüngsten Gewaltdemonstrationen islamischer Organisationen lassen für Christen keine rosigen Zukunftsaussichten vermuten.

Beispiele der Verfolgung

5. April 2016: Die Polizei eröffnet das Feuer auf eine friedliche Gebetsversammlung in Timika (im Westen von Papua-Neuguinea) und verhaftet danach 15 Christen*. Diese Begebenheit ereignete sich am Rande einer Veranstaltung zu den Unabhängigkeitsbestrebungen mit tausenden von melanesischen Teilnehmern.

12. April 2016: Nur ein Monat nach der Eröffnung umzingeln und attackieren Islamisten in Bekasi, einem Vorort von Djakarta, eine Kirche. Sie kommen strafffrei davon und verlangen vom Bürgermeister, dass er die entsprechende Baubewilligung für das kirchliche Gebäude wieder rückgängig mache.

2. Juni 2016: Die 60-jährige Christin, Rimita Sinaga, wird beschuldigt, in ihrem kleinen Shop Alkohol verkauft zu haben. Das Urteil besteht aus 30 Körperhieben und Kerker.

* Die Namen der Betroffenen werden aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt.

 
Verfolgungsseminare

Verfolgungsseminare

Open Doors führte 2012 Verfolgungs-seminare über die Kirchen hinaus neu auch in Bibelschulen durch, wo zukünftige Pastoren, kirchliche Mitarbeiter und Missionare ausgebildet werden.

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