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Indien

Überblick

Seit den Neuwahlen im Jahr 2014, die der überzeugte Hindu Narendra Modi gewonnen hatte, lässt sich eine Radikalisierung der indischen Gesellschaft feststellen. Der Einfluss der Hindus ist bis in die höchsten Regierungsebenen spürbar. Trotzdem bleibt die indische Gesellschaft zersplittert durch das zwar gesetzlich verbotene Kastensystem und der grossen kulturellen und religiösen Vielfalt seiner Bevölkerung. Verschiedene indische Bundesstaaten haben in den vergangenen Jahren ein Anti-Konversions-Gesetz verabschiedet. Mit der indienweiten Kampagne «Ghar Wapsi» (Heimkehr) verstärken indische Regierung und Hinduorganisationen ihre Bemühungen, die Konversion von Nichthindus (Christen und Muslimen) zum Hinduismus zu fördern und zu erleichtern.

Die Regierung lässt den radikalen Hindu freie Hand und ahndet weder Intoleranz noch Gewaltausbrüche gegen Minderheiten. Durch dieses «Schweigen» ermutigt, nehmen die Angriffe auf Christen zu.

Ursachen der Verfolgung

In Indien bleibt der religiöse Nationalismus die Ursache für die Unterdrückung der Christen. Neben den Hindus sind es diverse andere Gruppen, die zur bedrängten Situation beitragen: extremistische Buddhisten in Ladakh, fanatische Muslime in Jammu und Kashmir sowie extremistischer Sikhs in Punjab.

Hintergrundinfo zur christlichen Minderheit

Im Vielvölkerstaat Indien bekennen sich rund 63,9 Millionen Menschen zum Christentum. Seine Anfänge gehen zurück auf das Jahr 52 n. Chr., als der Apostel Thomas im heutigen Bundesstaat Kerala sieben Kirchen und weitere in Madras (heute Chennai) gründete. Daraus entwickelten sich vier Strömungen eines christlichen Bekenntnisses: Orthodoxe, Katholiken, Protestanten und einheimische Gruppierungen, die sich aus ethnischen Minderheiten zusammensetzen. Alle vier Gruppen sind das Ziel radikaler Hindu. Ebenfalls grossen Druck erleben Konvertiten durch die Nachstellungen ihrer Familien und Stammesgenossen.

Etwa 80 bis 85% der Christen in Indien sind entweder Dalits, sogenannte «Unberührbare» oder «Kastenlose», oder stammen aus den unterschiedlichsten Volksstämmen. Bereits aufgrund ihrer ethnischen Herkunft werden sie benachteiligt. Geben sie sich als Christen zu erkennen oder wenden sich dem Christentum zu, verstärkt das ihre soziale Benachteiligung.

Der Vorwurf, der christliche Glaube destabilisiere das indische Kastensystem, ist insofern berechtig, weil die Dalits durch den Glauben an Jesus Christus ein neues Bewusstsein ihrer Würde als Menschen entwickeln. Sie lassen sich darauf nicht mehr so einfach und widerspruchslos in das starre Kastensystems hineinpressen. Das ist, ohne Zweifel, einer der Hauptgründe für die Verfolgung durch extreme Hindus.

Beispiele der Verfolgung

13. Januar 2017: In Vizianagaram im Bundesstaat von Andhara Pradesh wird nach dem Tod eines jungen Burschen ein christliches Ehepaar bei lebendigem Leib verbrannt. Die Ältesten des Dorfes beschuldigen Pandayya und seine Ehefrau Seethamma der schwarzen Magie.

29. Januar 2016: In Uttar Pradesh verhaften nationalistisch gesinnte Hindu den Christen Awadesh Savita und beschuldigen ihn, andere Menschen zur Bekehrung zum Christentum gezwungen zu haben. Sie rasieren ihm Kopf, Schnurbart und Augenbrauen, setzen ihn auf einen Esel und führen ihn der Bevölkerung vor.

16. Oktober 2016: Samari Kasabi, eine 55-jährige Christin, wird aufgrund ihres Glaubens getötet und verbrannt. Die Dorfbevölkerung hat einige Zeit davor militante Maoisten beauftragt, ihren Sohn und ihre Schwiegertochter zu entführen.

 

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