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Brunei

Überblick

Das Sultanat Brunei ist ein kleiner Staat in Südostasien und existiert seit 600 Jahren. Das Land ist reich an Öl- und Gasvorkommen. Sultan Hassanal Bolkiah bekleidet alle wichtigen Regierungsposten und ist Staatspräsident und Premierminister in einem. Seit dem 1. Mai 2014 gilt die Scharia als alleinige Rechtsordnung. In einer ersten Phase wurde das Strafrecht entsprechend verschärft und Bussen für ungebührliches Verhalten, die Prügelstrafe bei Diebstahl und weiteren Delikten und die Todesstrafe bei Ehebruch eingeführt. Die zweite Phase mit weiteren Sanktionen wie Geisselung oder Amputation von Gliedmassen hätte im Mai 2015 eingeführt werden sollen, wurde jedoch bis zum Juni 2017 zurückgestellt. Es ist zu befürchten, dass diese Restriktionen viele Bruneier zur Auswanderung bewegen werden.

Ursachen der Verfolgung

In Brunei leiden nicht nur Konvertiten aus einem muslimischen Umfeld unter der Einführung der Scharia und dem Joch des extremen Islamismus, sondern auch ausländische Christen und diejenigen Gläubigen der nicht anerkannten Gemeinschaften. Kirchen und Gemeinschaften, die keine offizielle Anerkennung durch den Staat geniessen, werden als «illegale Sekten» bezeichnet.

Staatlich anerkannt sind einzig zwei anglikanische und drei römisch-katholische Kirchgemeinden. Allerdings sind auch sie sehr in ihren Aktivitäten limitiert. Offiziell verboten sind Weihnachtsfeiern, der Import von Bibeln oder der Kontakt zu ausländischen Christen.

Hintergrundinfo zur christlichen Minderheit

Die erste Kirche in Brunei wurde 1846 von Anglikanern gegründet. Die katholische Kirche selber ist seit rund hundert Jahren präsent. Gegenwärtig existieren diverse christliche Gemeinschaften, die sich zur Hauptsache aus Ausländern zusammensetzen. Der Anteil der Christen an der Bevölkerung beträgt rund 16%, das sind ungefähr 54 800 Menschen.

Konvertiten, die sich vom Islam lossagen, können ihren neuen Glauben nur unter grösster Geheimhaltung ausleben. Vor allem wenn sie malaiischer Herkunft sind, müssen sie mit grossen Schwierigkeiten seitens ihrer Familien, Nachbarn und Arbeitgeber rechnen.

Mitarbeitende im öffentlichen Sektor sind speziellen Diskriminierungen ausgesetzt. Ihre Kinder, die den obligatorischen Islamunterricht in der Schule besuchen müssen, werden ebenfalls diskriminiert und zwar durch Klassenkameraden und Lehrpersonal.

Obwohl diese Verfolgung weniger gewalttätig als in anderen Ländern daherkommt, kann sich ein Christ wegen seines Glaubens im Gefängnis wiederfinden und so verlassen zahlreiche junge Christen das kleine Land auf der Insel Borneo.  

 
Sultan Hassanal Bolkias Portrait ziert in Brunei auch Einkaufszentren.

Brunei: Einführung der Scharia im Strafrecht

Seit Mai 2014 basiert im Sultanat Brunei das Strafrecht neu auf der Scharia. In diesen Wochen beginnt die zweite Phase der Einführung - ein geeigneter Moment für eine Zwischenbilanz in Bezug auf die Religionsfreiheit im Land.

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