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Bhutan

Überblick

Das kleine Königreich zwischen Indien und China ist flächenmässig fast so gross wie die Schweiz, zählt aber nur knapp 800 000 Einwohner.

Neben seiner Verfassung als konstitutionelle Monarchie spielt der Buddhismus eine entscheidende Rolle und hat staatstragende, wie auch identitätsstiftende Bedeutung. Der König als Staatsoberhaupt wird verehrt. Statistisch betrachtet gehört Bhutan zu den ärmsten Ländern der Erde. Dennoch ist das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen seiner Bevölkerung deutlich höher als im Nachbarland Indien. Der Vater des aktuellen Königs prägte in diesem Zusammenhang das Schlagwort vom «Bruttonationalglück» seiner Bevölkerung, das er als wichtiges Ziel der Wirtschaftspolitik Bhutans formulierte. Nach dem reibungslosen Machtwechsel aufgrund der Wahlen im 2013 hat die Opposition die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes angepackt.

Ursachen der Verfolgung

In Bhutan ist es vor allem in den ländlichen Gebieten ein religiöser Nationalismus, der das Leben der Christen beeinträchtig. Sie werden von den buddhistischen Mönchen mit Argwohn betrachtet. Während der Druck nicht von Gewaltausbrüchen geprägt ist, kommt die Diskriminierung durch die lokalen Behörden, die den Christen verbieten, offen zu ihrem Glauben zu stehen und für die Öffentlichkeit erkennbar, Gottesdienste zu feiern. Viele Dorfchefs untersagen es ihren Dorfbewohnern zudem, ihren Glauben zu wechseln und Christen zu werden.

Zur Situation der Christen

Die kleine, nicht anerkannte christliche Gemeinschaft lebt in einem Staat, in dem die Bedeutung des Buddhismus zunimmt. Der Grossteil von Bhutans 20 000 Christen stammt ursprünglich aus Nepal. Sie leben überwiegend in den Städten und im Süden des Landes.

In früherer Zeit gab es keine Christen in Bhutan. Alle Christen haben entweder einen buddhistischen oder hinduistischen Hintergrund. Bhutans christliche Gemeinschaft ist also eine «junge» Gemeinschaft. Diskriminierungen sind wahrscheinlicher, weil auf der neuen Identitätskarte die Religionszugehörigkeit vermerkt ist.

Beispiele der Verfolgung

8. August 2016: Zum ersten Mal wird offiziell eine Hauskirche geschlossen und niedergerissen und zwar in der Region von Samdrup Jongkar im Südosten des Landes. Man wirft ihr vor, dass ihre Aktivitäten die buddhistische Gemeinschaft beeinflusse.

10. August 2016: Ein Pastor erzählt, dass sein Vermieter die Wohnungsmiete verdoppelt hat, nachdem er erfahren hatte, dass sich bei ihm Christen versammeln.

27. Oktober 2016: Ordnungskräfte verhaften drei Christen* und nehmen sie in Gewahrsam. Einer der drei wird beschuldigt, einem Passanten ein Traktat überreicht zu haben. Seine zwei Kollegen sind je etwa 70 Jahre alt.

* Die Namen der Betroffenen werden aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt.