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Algerien

Überblick

Algeriens Regierung hat den «Arabischen Frühling» und seine Nachwehen schadlos überstanden. Mit Hilfe der islamistischen Parteien, der Armee und den Sicherheitskräften wurde Präsident Bouteflika im 2014 zum vierten Mal als Staatsoberhaupt wiedergewählt, obwohl die Verfassung nur zwei Regierungsperioden vorsieht. Die Nachfolge des alten und kranken Staatsoberhauptes beschäftigt mittlerweile das ganze Land.

Algerien, das Erdöl und Gas exportiert und dessen Staatshaushalt damit stark von den Gegebenheiten auf dem Weltmarkt abhängt, leidet unter dem Zerfall des Erdölpreises. Das nordafrikanische Land wird aufgrund des Einflusses der islamistischen Erneuerungsbewegung mehr und mehr zu einem Spielball islamischer Gewalt. Die Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (AQMI), eine Splittergruppe der al-Kaida, macht Druck auf die schwache Regierung, eine islamtreue Gesetzgebung einzuführen. Sehr zum Schaden für die kleine christliche Minderheit, die in den Medien meist negativ und als Bedrohung dargestellt wird. 

Ursachen der Verfolgung

Erniedrigungen und Demütigungen sind zur Hauptsache eine Folge des radikal verstandenen Islam. In einem kleineren Mass tragen der Totalitätsanspruch des Staates und die Korruption ihren Teil bei. Besonders unter Beschuss geraten die Konvertiten, weil der Glaubenswechsel als Entwertung des Islam verstanden wird.

Situation der Christen

Seit 2006 die neue Verordnung, welche die religiösen Belange regelt (und einschränkt), in Kraft ist, hat die Regierung keinen einzigen Neubau einer Kirche erlaubt und alle Bestrebungen abgelehnt, ein bestehendes Gebäude als Kirche zu nutzen. Als Folge treffen und versammeln sich die Christen privat in ihren Wohnungen, Häusern oder Geschäftsräumlichkeiten und bilden kleine, illegale Hausgemeinden, da das Gesetz auch alle öffentlichen Versammlungen verbietet, die nicht der muslimischen Religionsausübung dienen.

Die Protestantische Kirche Algeriens (EPA) besteht aus 43 Kirchgemeinden und erhielt im 2011 endlich offiziellen Status, ohne dass sie irgendeinen Nutzen aus der Bewilligung geniessen kann. Es existieren weiter ein Dutzend unabhängige, ebenfalls protestantische Freikirchen mit mehrheitlich algerischen Gläubigen.

Beispiele der Verfolgung

7. Januar 2016: Unbekannte beschädigen und schleifen eine Kirche. Dabei beschmieren sie die Mauern mit dschihadistischen Parolen.

2. März 2016: Eine Kirche ist kaum offiziell anerkannt, als in der Kabylei die Behörden bereits wieder mit deren Schliessung drohen und sich dabei auf das Gesetz von 2006 berufen.

6. September 2016: Das Gericht verurteilt den Konvertiten Bouhafs Slimani zu drei Jahren Haft. Indem er auf Facebook die Auswüchse des radikalen Islam beschrieben hat, habe er den Islam und seinen Propheten Mohammed beleidigt, so die Anklage.