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Äthiopien

Überblick

Das Land steht noch immer unter dem Eindruck der massiven Gewaltausbrüche im 2015 und 2016, aufgrund derer die äthiopische Regierung am 9. Oktober 2016 einen sechsmonatigen Ausnahmezustand aufrief.

Um die Situation der Christen besser zu verstehen, muss man drei konkurrierende Faktoren in Betracht ziehen. Erstens: die äthiopische Gesellschaft ist in einzelne Stämme unterschiedlicher Volksgruppen (Ethnien) gegliedert, wobei der Islam in einigen Regionen, beispielsweise Afar, eine grosse Rolle spielt. Zweitens: die äthiopische Regierung schränkt die Möglichkeiten der Meinungs- und Versammlungsfreiheit mehr und mehr ein und kontrolliert zunehmend religiöse Institutionen. Drittens: die Differenzen zwischen der äthiopisch-orthodoxen Kirche (EOC) und den evangelischen Christen der traditionellen wie protestantischen Freikirchen, zusammen mit der Erneuerungsbewegung in den eigenen Reihen, tragen ebenfalls zu komplexen und schwer durchschaubaren Lange der Christen bei.

Ursachen der Verfolgung

Auf religiöser Ebene sind es vor allem fanatische Untergruppen der EOC, die gezielt gegen Protestanten, reformorientierte Gruppen innerhalb der EOC und der Erneuerungsbewegung vorgehen. Der Ton ihnen gegenüber ist mehr als harsch und Protestanten werden als falsche Propheten bezeichnet.

Zahlenmässig bilden die Muslime im Land noch eine Minderheit von 34%, aber sie leben auf über 60% des Staatsgebietes. Islamistisch geprägte Gewaltausbrüche gegen Christen nehmen in Regionen mit einem grossen muslimischen Bevölkerungsanteil zu. Das trifft auf die Region Afar und die Gegenden in Richtung Somalia zu.

Staatliche Autoritäten bewilligen zudem die Anträge zur Registrierung neuer kirchlicher Gemeinschaften nicht mehr. Mehr noch, sie behindern die Verlängerung der bereits bestehenden.

Hintergrundinfo zur christlichen Minderheit

Äthiopien zählt rund 65,7 Millionen Christen, die in einem Umfeld leben, das durch das Erstarken des Islam gewaltbereiter wird.

Beispiele der Verfolgung

21. September 2016: In Babille werden vier junge Mädchen* verhaftet und inhaftiert, weil sie christliche Literatur verteilt haben. Eines der Mädchen wird im Gefängnis geschlagen.

21. September 2016: Am gleichen Tag randaliert eine wütende Gruppe von Muslimen in einer Kirche, ebenfalls in Babille, und behaupten, die von den Mädchen verteilte Literatur beleidige den Islam.

15. November 2016: Gegen drei minderjährige Mädchen* wird ein Strafverfahren eröffnet. Ihr Vergehen: «Anstiftung zu religiös motivierter Gewalt». Die Strafe wird auf einen Monat Gefängnis festgesetzt, die Mädchen jedoch auf Kaution freigelassen, bis auf die älteste unter ihnen. Sie bleibt weiter in Untersuchungshaft.

* Die Namen der Betroffenen werden aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt.