Spenden 
 

Ägypten

Überblick

Präsident al-Sisi hat mit seinem relativ autoritären Regierungsstil eine gewisse Rechtstaatlichkeit herstellen können. Er fordert dabei eine strikte Einhaltung der verhältnismässig restriktiven Religionsgesetze, was sich zum Nachteil der ägyptischen Christen auswirkt. Aufgrund ihrer 2000-jährigen Anwesenheit werden die Kopten toleriert, solange ihr Anteil von 10% an der Bevölkerung nicht zu nimmt. Christen stehen unter dem Verdacht, die Absetzung des ehemaligen Präsidenten Mursi unterstützt zu haben und werden zwischen den Fronten von Säkularismus, Nationalismus sowie politischem Islam aufgerieben.

Al-Sisi bekräftigt seine Absicht, die Islamisten zu bekämpfen, erlaubt jedoch auf der anderen Seite keine Lockerung der religiösen Restriktionen. Solange keine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse feststellbar ist, bleibt die Gefahr gross, dass sich eine enttäuschte Bevölkerung in Scharen dem Islam zuwendet, die dann von extremistischen Gruppierungen ausgenützt, die Lage weiter destabilisieren. Und damit die Unterdrückung der Christen anheizen.

Ursachen der Verfolgung

In erster Linie setzen die Radikalisierung des Islam und der totalitäre Machtanspruch des Staates die Christen unter Druck. In zweiter Linie werden sie durch die im ganzen Land grassierende Korruption behindert. Dabei tragen die wachsenden Gemeinschaften von Konvertiten die Hauptlast der Verfolgung, die durch Repressionen der Familie ergänzt wird, falls sie den Glaubenswechsel entdecken.

Hintergrundinfo zur christlichen Minderheit

Die ägyptische Kirche existiert seit dem ersten Jahrhundert nach Christus. Die Kopten sind aus der Geschichte der vergangenen 2000 Jahre nicht wegzudenken und damit integraler Bestandteil der Gesellschaft.

Die christliche Gemeinschaft zählt gegenwärtig etwa 9,5 Millionen Menschen. Das sind nicht ganz 10% der ägyptischen Bevölkerung, jedoch etwa 75% der gesamten christlichen Gemeinschaft im Mittleren Osten. Christen verlassen allerdings das Land am Nil in besorgniserregend hoher Anzahl.

Beispiele der Verfolgung

22. November 2015: Eine junge 26-jährige Mutter* von zwei Kindern wird von ihrem Bruder und ihrem Onkel getötet. Nachdem sie von ihrem Ehemann geschieden wurde, hat sie einen Christen geheiratet.

23. April 2016: In al-Madamoud, westlich von Luxor in Oberägypten, erwachen die Christen mitten in der Nacht, weil ihre Kirche brennt. Die Feuerwehr braucht über eine Stunde, bis sie am Brandherd ankommt. Zu spät. Das gesamte Gebäude geht in Rauch auf.

30. Juni 2016: In al-Arisch im Norden der Sinaihalbinsel tötet der Islamische Staat Raphael Moussa, einen koptischen Christen, während eines Angriffes auf die Kirche des Heiligen Georg. Der Mann wird beschuldigt, «einen Krieg gegen den Islam zu führen».

* Die Namen der Betroffenen werden aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt.