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Nigeria: 13'000 Kirchen geschlossen

Christen kämpfen ums Überleben

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Zeitgleich mit der Veröffentlichung eines Analyseberichts von Open Doors publizierten zahlreiche Kirchen Nigerias vereint unter dem Dach der "Christian Association of Nigeria" eine Erklärung - ein historischer Schritt. Darin verpflichten sie sich dazu, die unterdrückten Christen im Norden des Landes stärker als bisher zu unterstützen.

pdf der englischen Originalversion des Analyseberichts

Die "Christian Association of Nigeria" (CAN) ist Nigerias grösster Kirchenverbund, dem protestantische, evangelische, pfingstliche und katholische Gemeinden angehören. Ihre Vertreter reagierten nun auf die bedrohliche Entwicklung mit einem geradezu historischen Schritt: "Zum ersten Mal überhaupt wenden wir uns mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit",  betont Pastor Musa Ake, Generalsekretär der Vereinigung. "Wir wollen das ganze Ausmass der Verfolgung deutlich machen, der Christen in unserem Land ausgesetzt sind."

Ein 48-seitiger Hintergrundbericht
Als Basis für das Communiqué dient die von Open Doors und der CAN gemeinsam erarbeitete Studie, die für die Jahre 2006 bis 2014 die Ermordung von 11'500 Christen und die Zerstörung oder Schließung von 13'000 Kirchen im Norden Nigerias belegt. Auch von 1,3 Millionen Christen ist die Rede, die vor der Gewalt in sichere Landesteile fliehen mussten.
Die Auswirkungen der Gewalt auf die Lage der Christen aber auch auf das Zusammenleben von Christen und Muslimen sind immens. Viele der Befragten berichteten aus ihrem Alltag von Diskriminierung, Hass, Ausgrenzung und Gewalt. Viele Menschen sind traumatisiert. Annährend zwei Drittel der Pastoren gaben an, der Kirchenbesuch sei unter dem Druck der Übergriffe deutlich zurückgegangen.

Drei Verfolgungsquellen
Denn die Christen sind nicht nur der blinden Gewalt von Boko Haram ausgesetzt, eine der weltweit tödlichsten Terrorgruppen. Auch muslimische Hausa-Fulani-Hirten und die muslimische Elite aus Politik und Klerus sind wichtige Akteure der Verfolgung von Christen mit dem Ziel, die muslimische Interessen und Identität zu stärken. Christinas* Ehemann wurde 2015 von Fulani-Hirten im Bundesstaat Nassarawa ermordet, ihr Haus und Eigentum zerstört. "Wir haben seit jeher unter den Fulanis gelebt. Wir gaben ihnen keinen Grund uns zu töten. Ihre einzigen Gründe sind religiöser Art: sie wollten uns töten weil wir Christen sind." Nach Schätzungen sollen 2015 rund 1500 Christen von Hausa-Fulani-Hirten ermordet worden sein. Open Doors erfasste 2015 in Nigeria insgesamt 4028 Tötungen von Christen und 198 Angriffe auf Kirchen, eine Zunahme von über 60% gegenüber dem Vorjahr.

Ernüchternde Perspektiven und ein Weckruf
Pastor Samuel Dali ist Präsident des Bundes "Vereinigung der Brüdergemeinden", die in den von massiver Gewalt betroffenen nördlichen Bundesstaaten weit verbreitet sind. Dali kennt die prekäre Situation vor Ort bestens und verbindet mit dem Bericht Hoffnung in anderer Hinsicht: "In der Vergangenheit waren viele der Geschwister im Süden oft völlig unwissend über das, was im Norden des Landes geschah. Die Übergriffe galten mitunter als eine "Angelegenheit des Nordens". Jahrelang habe ich mich deshalb oft im Stich gelassen gefühlt, als sei ich ein Fremder unter den Christen; selbst große Probleme wurden nicht angesprochen."

Dali betrachtet den Bericht deshalb als "Weckruf" für die Kirchen des Südens, "damit sie erkennen, dass der islamische Extremismus und die Islamisierung eine Bedrohung für die Christen im ganzen Land ist". Angesichts dieser großen Bedrohung ist die neu gewonnene Verbundenheit zwischen der Kirche des Südens und des Nordens überlebenswichtig.

Open Doors hilft ausgegrenzten christlichen Dorfgemeinschaften im Norden Nigerias mit einem ganzheitlichen Entwicklungsprogramm, in dem die lokale Kirche aktiv in die Entwicklung der Dorfgemeinschaft miteinbezogen wird. Dabei stellen wir Infrastruktur wie Schulen, Klinken und Bohrlöcher bereit. Opfer der Verfolgung werden von unseren Teams besucht und mit Nothilfe, Trauma-Begleitung und Lebensunterhaltsprojekten unterstützt. Open Doors bietet auch Bibelschulung an und verteilt Bibeln und Kinderbibeln.

"Dieser Bericht zeigt, dass das Ausmaß und die Auswirkungen der anhaltenden Gewalt gegen die Kirche viel ernster ist als bisher angenommen. Auch wenn Boko Haram endlich besiegt wird, ist das Problem noch lange nicht gelöst."
JT, Leiter von Open Doors für Westafrika

Mai 2016