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Irak: Das Töten von Christen in Stadt Mosul hält an

Foto : Irak: Das Töten von Christen in Stadt Mosul hält an
Ganze Familie ermordet
 
Das Töten von Christen in der nordirakischen Stadt Mosul hält an. Open Doors erreichten dramatische Berichte von Mitarbeitern und Christen aus Mosul. Ein neuer, womöglich endgültiger Exodus christlicher Familien setzt ein.
 

Bild: Hier wurde 2008 mit einer Autobombe eine Kirche in Mosul zerstört.

 
Roggwil, 25. Februar 2010 – In einem Haus töteten Extremisten alle Familienmitglieder, schilderte ein irakischer Mitarbeiter von Open Doors am 24. Februar. „Es sind fünf oder sechs Tote. Als erstes schossen die Angreifer von ihrem Auto aus auf das Haus. Dann drangen sie ins Gebäude ein und töteten die ganze Familie. Sie schleppten zwei Leichname auf die Strasse, als Warnung für andere.“

Ein weiterer Mitarbeiter, der ebenfalls anonym bleiben möchte, berichtete: „Zwei Brüder und der Vater eines assyrischen Priesters wurden gestern in ihrem Haus ermordet.“ Der Priester Mazin Ishoo (Isaiah) lebte trotz der anhaltenden Gewalt mit seinen Eltern weiter in Mosul. „Das hatte ganz praktische Gründe. Die Familie wusste nicht, wo sie hingehen sollte“, so der Mitarbeiter. „Gestern war Priester Mazin noch in Mosul, aber ich habe keine Ahnung, wo er sich derzeit aufhält. Auch wie es seiner Mutter und den anderen Angehörigen geht, kann ich nicht sagen. Ich kann keinen Kontakt mehr zu ihm herstellen.“

Familien verlassen Mosul
Open Doors erhielt Meldungen, dass noch weitere Christen ermordet wurden. Eine Familie war auf der Flucht und suchte einen Unterschlupf, doch Extremisten verfolgten und töteten sie. Panikartig haben in den vergangenen Tagen mindestens 50 Familien – aus durchschnittlich fünf Mitgliedern bestehend – Mosul verlassen. „An diesem Morgen kamen zwei Taxis mit Familien an“, berichtete ein Mitarbeiter ausserhalb der Stadt. „Ich schätze, dass ein bis zwei Familien jeden Tag ihre Flucht vorbereiten. Doch wir erhalten täglich zehn Anrufe von Menschen, die sagen, sie wollen die Stadt verlassen.“ Initiativen, Taxis zu organisieren, um Familien aus der Stadt zu bringen, scheiterten, denn viele Taxifahrer wollen nicht mehr nach Mosul hinein, um Christen herauszuholen.

Gouverneur rät Christen zu Flucht
Die Behörden haben die Lage nicht unter Kontrolle. Ein Mitarbeiter berichtete: „Ich hatte Kontakt zu einer Schwester in Mosul. Vergangenen Sonntag besuchten der Gouverneur von Mosul und ein führender Polizeibeamter ihre Familie. Beide sagten den Christen, es sei besser, die Stadt zu verlassen. Sie könnten nicht für ihre Sicherheit garantieren oder sie vor den Angreifern schützen.“

Derzeit ist noch unbekannt, wer oder welche Gruppe hinter den Morden steckt. Möglicherweise stehen die Taten im Zusammenhang mit der vorstehenden Wahl am 7. März und Christen sollen gezielt am Wählen gehindert werden.

Auf der Strasse hingerichtet
Bereits im Oktober 2008 durchstreiften bewaffnete muslimische Terroristen die Strassen von Mosul und liessen sich von Passanten ihren Ausweis zeigen. Im Ausweis ist die Religionszugehörigkeit „Muslim“ oder „Christ“ eingetragen. Christen wurden auf der Stelle durch einen Kopfschuss getötet. Panikartig verliessen viele die Stadt. Mindestens 40 Christen sollen nach Medienberichten getötet worden sein, über 12’000 Christen flohen aus Mosul. Die meisten der Verbliebenen hatten keine Möglichkeit, aus der Stadt herauszukommen oder irgendwo anders Zuflucht zu finden. Sie haben ausserhalb keine Verwandten, oder sie haben kein Auto oder andere Transportmöglichkeiten. Lebten in der 2,8-Millionen-Stadt vor zehn Jahren schätzungsweise noch über 100'000 Christen, sollen es heute noch etwa 300 Familien sein.

Chronologie der jüngsten Morde
- 23. Februar: der Vater und zwei Brüder eines assyrischen Priesters ermordet in ihrem Haus
- 23. Februar: eine gesamte Familie, fünf oder sechs Personen, ermordet in ihrem Haus
- 20. Februar: Adnan Aldhan
- 16. Februar: Zaya Toma und Ramsen Shamael, zwei Studenten
- 16. Februar: Najem Abdullah Fatoohy
- 15. February: Rayan Salam
 

 
 
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