Die Lage der Christen hat sich seit der Gründung Pakistans 1947 merklich verschlechtert. Während den ersten drei Jahrzehnten waren sie nur eine vorwiegend durch Diskriminierung eingeschränkte Minderheit in einer grösstenteils von Moslems dominierten Gesellschaft. Das Land war aber mehrheitlich säkular geprägt. Dies änderte sich im Jahr 1979 als der General Zia ul-Haq an die Macht kam. General Zia beschloss, dass dem Islam in Zukunft eine bedeutendere Rolle zukommen sollte. Dies erschwerte das Alltagsleben der Christen zusehends.
Die Blasphemie-Gesetze
Diese Gesetze traten in den 1980er Jahren in Kraft und sind ein Bestandteil des Strafgesetzbuches des Landes. Diese legen die folgenden Strafenmasse fest: zehn Jahre Haft oder eine Geldbusse für die Verletzung der Gefühle einer religiösen Gemeinschaft; für die Schändung, die Zerstörung oder die Entweihung des Korans eine lebenslängliche Haftstrafe; und für die Schändung des Namens des Propheten Mahomet die Todesstrafe oder eine lebenslängliche Haftstrafe. Die Blasphemie-Gesetze sind oft missbraucht worden, in erster Linie um alte Rechnungen zu begleichen und sich zu rächen.
Wenn eine Person in Pakistan der Blasphemie beschuldigt wird, hat sie ihr Leben verwirkt. Der Vorwurf der Blasphemie kommt beinahe einem Todesurteil gleich, vor allem wenn der Beschuldigte Christ ist. Es lassen sich immer Fanatiker finden, die unverzüglich davon ausgehen, dass die angeklagte Person schuldig ist. Sie fühlen sich berechtigt einzugreifen . Sie belagern Gerichtssäle, schreien Richter und Geschworene an und setzen sie unter Druck, die Angeklagten bei der Urteilsverkündigung für schuldig zu erklären.
Aber das rechtskräftige Gerichtsurteil spielt für diese Leute keine wirklich wichtige Rolle: Sie haben ihr Urteil bereits gefällt und das bedeutet für die Betroffenen den Tod. Unabhängig davon, ob ein wegen Blasphemie Angeklagter eine Haftstrafe verbüssen muss oder freigelassen wird, glauben die Fanatiker, selbst für Gerechtigkeit sorgen zu müssen. Sie sind bereit alles dafür zu tun, um ihrem Gott zu gefallen. Wenn ein Christ mit dem Leben davon kommen will, bleibt ihm keine andere Wahl, als das Land endgültig zu verlassen.
Der Vorwurf der Blasphemie wirkt oft ansteckend: Jede Person, die Kontakt zu einem der Blasphemie Angeklagten hat, riskiert, mit diesem Tatbestand ebenfalls in Verbindung gebracht zu werden. Aus Angst vor Vergeltungsmassnahmen müssen Angehörige untertauchen. Personen, die in der Gesellschaft eine wichtige Stellung innehaben, sollten vermeiden, mit einem für Blasphemie Angeklagten in Verbindung gebracht zu werden. Ansonsten könnte ihnen unterstellt werden, dass sie die Meinung des Angeklagten teilen und sie könnten ihrerseits wegen Blasphemie angeklagt werden.
Der Einfluss der Gesellschaft
Es gibt aber auch die Auswirkungen des gesellschaftlichen Drucks. Etwas mehr als 60 Jahre nach der Staatsgründung von Pakistan gelten die Christen in ihrem eigenen Land als Parias. Sie werden in allen Lebensbereichen benachteiligt, sogar in Notlagen. Im Jahr 2010 wurde Pakistan von einer Flutkatastrophe heimgesucht. Mehrere Dörfer mussten evakuiert werden. Bei der Verteilung der Hilfsgüter wurden die Christen von den (Lokal-)Behörden und den Moslems sehr stark benachteiligt. Sie wurden abgewiesen und es wurde ihnen gesagt, sie sollten sterben oder aber sie erhielten die Reste, die die Moslems übrig gelassen hatten.
Christen werden leicht zur Zielscheibe für Angriffe, da sie niemand schützt. Die Gesetzgebung des Landes, die Regierung und die Justiz gewähren den Minderheiten (Christen und anderen) keinen Schutz. Die Gesetzgebung basiert zum Teil auf islamischem Recht und benachteiligt damit die Christen systematisch. Die Regierung bietet auch bei tätlichen Angriffen keinen Schutz. Die Justiz ist in allen Gerichtsfällen, die Blasphemie betreffen, einem sehr starken Druck von islamischen Hardlinern ausgesetzt. Die Moslems haben festgestellt, dass sie Selbstjustiz üben können , ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
In Pakistan ist was die Religionsfreiheit anbelangt ein Abwärtstrend feststellbar, sie wird immer stärker eingeschränkt und die Zukunftsaussichten für die Christen sehen düster aus.