Nigeria: Boko Haram
Die radikal-islamische Sekte terrorisiert das LandDie Hauptquelle der Verfolgung von Christen im Norden Nigerias ist der islamische Extremismus. Vor allem die radikal-islamische Sekte "Boko Haram", deren Name "moderne Erziehung ist Sünde" bedeutet, verübt brutale Gewalttaten gegen Christen. Diese selbst ernannten "Taliban Nigerias" terrorisieren nicht nur Christen. Im ganzen Land wollen sie eine strikte Anwendung der islamischen "Scharia"-Gesetze erreichen und Nigeria zu einem streng islamischen Gottesstaat machen. "Boko Haram" lehnt jeden "westlichen" Lebensstil und das Christentum strikt ab.
Die Gruppe wurde 2001 in Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaats Borno im Nordosten des Landes gegründet. Am 30. Juli 2009 verstarb der Sektengründer und damaligen Anführer von Boko Haram, Scheich Mohammed Yusuf kurz nach seiner Festnahme durch Sicherheitskräfte aus ungeklärten Gründen. Die Führung der Gruppe übernahm die Shura, ein Rat aus 20 Männern, die Kontakte nach Tschad und Kamerun unterhalten. Der Gruppe werden Verbindungen zu Al-Qaida im Islamischen Maghreb, Al-Shabaab in Somalia und zu Terrorcamps in Afghanistan nachgesagt. 2009 wurde die Gruppe verboten. Nach anfänglichen Rückschlägen durch den Einsatz der Sicherheitskräfte gelang es der Gruppe jedoch, sich neu zu organisieren.
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei Boko Haram um einen Geheimbund handelt. Deshalb sind die Aktivisten von Boko Haram schwer zu greifen, wie die Süddeutsche Zeitung beschreibt: „Wenn ein junger Mensch Mitglied der Sekte ist, dann weiss das oft nicht einmal der eigene Vater - so geheim ist dieser Bund der Radikalen. Die Attentäter sitzen vielleicht am Abend unerkannt mit am Tisch der Familie, bevor sie am nächsten Morgen eine Bombe zünden.“ Inzwischen hat sich Die Gruppierung zu einer ernstzunehmende Bedrohung nicht nur für Christen entwickelt. Neben Kirchen, Häusern und Geschäften von Christen griffen Mitglieder der Gruppierung auch staatliche Gebäude, Polizeistationen und selbst Moscheen an, die in ihrem Augen zu moderat in ihren Predigten waren.
Der nigerianischen Regierung mit ihrem christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan erklärte sie nach dessen Wahl im April 2011 den Dschihad, den Heiligen Krieg. Präsident Goodluck Jonathan sagte Anfang Januar 2012 über die islamistische Gewalt im Vielvölkerstaat, sie sei noch „viel schlimmer als der Bürgerkrieg*“. Jonathan sprach im Gegensatz zu seinen früheren Einschätzungen in seiner Verlautbarung davon, „dass sich die Sympathisanten der Terror-Gruppe auch in den Reihen der Regierung, des Parlaments und der Gerichte versteckten.“ Hinzu kommen nach seinen Worten „Boko-Haram-Unterstützer im Polizeiapparat, im Geheimdienst und Militär.“
Am 1. Januar 2012 hatte die Terrorgruppe, die im Norden lebenden Christen ultimativ aufgefordert, die Region in einer Frist von drei Tagen zu verlassen. Bereits nach Ablauf des Ultimatums Anfang Januar kam es zur Tötung von mehr als 50 Christen in Gombe, Adamawa, Maiduguri (Borno) und Tafawa Balewa (Bauchi). In den nördlichen Staaten Kaduna, Niger, Kano und Zamfara wurde der Ausnahmezustand verhängt. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wo die Terroristen wieder zuschlagen werden. Denn dass die schon als "Taliban Nigerias" bezeichnete Gruppe ihren Kampf gegen alles in ihren Augen "Unislamische" fortsetzen wird, gilt als sicher.
* Der Biafra-Krieg war ein Sezessionskrieg von 1967 bis 1970 zwischen Nigeria und dem nigerianischen Gebiet Biafra mit der Hauptstadt Enugu.
Quellen: Open Doors Januar 2012 mit Auszügen aus www.wikipedia.de