Somalia und das Horn von Afrika
eine historische KrisenregionDas Horn von Afrika mit Äthiopien, Eritrea, Somalia und Djibuti gilt als chronische, von Hunger, Krieg und Flüchtlingselend erschütterte Krisenregion. Somalia wurde 100 v. Chr. in ägyptischen Quellen als bedeutende Handelsküste erwähnt; ab dem 8. Jh. gab es arabische Siedlungen. Vom 16. Jh. bis zur Unabhängigkeit 1960 herrschten verschiedene Kolonialmächte im Land.
Afrikaforscher Richard Burton beschrieb 1854 die Somalier als gewalttätige und wilde Rasse, die keinen anderen Herrscher als Allah anerkenne. Unter den Nomaden wurde Politik stets von rivalisierenden islamischen Clans gemacht. Sie trieben Somalia nach dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 in den Bürgerkrieg. Zwanzig Jahre ohne gültige Regierung haben das Land in Anarchie und eine humaitäre Katastrophe getrieben.
Die Kirche hatte in dem traditionell islamischen Land stets einen schwierigen Stand. Zwischen 1898 und 1935 konnten schwedische Lutheraner, von 1953 an die Mennoniten und Serving in Mission SIM wenige hundert Christen gewinnen. Einige Gläubige gehören der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche an. 1974 musste die Missionsarbeit eingestellt werden. Die Kirche ging in den Untergrund.
Kein Existenzrecht für Christen
Von den über 9 Millionen Einwohner sind fast alle Muslime. Christen haben kein Existenzrecht. Sie gelten als unmoralische Ungläubige. Die wenigen "heimlichen Gläubigen" leben ihren Glauben im Verborgenen. Die islamistische al-Shabaab-Miliz will das Land von Nicht-Muslimen säubern und Somalia zu einem islamischen Gottesstaat machen. Die Kämpfer spüren die wenigen Untergrundchristen auf, und wenn sie einen "Abtrünnigen vom Islam" ausmachen, wird er meist getötet. Die der Al-Qaida nahe stehende Terroristengruppe hat 2009 mindestens 15 Christen umgebracht, darunter Frauen und Kinder. Auch in diesem Jahr sind ihr schon zahlreiche Christen zum Opfer gefallen, darunter Madobe Abdi, der Leiter einer Hausgemeinde, dessen Leichnam den Hunden zum Fraß überlassen wurde. Am 21. Juli erschossen Anhänger der al-Shabaab den Untergrundchristen Osman Abdullah Fataho vor den Augen seiner Frau und Kinder. Die Mutter wurde gezwungen, vier Kinder als künftige Soldaten in die Obhut der Kämpfer zu geben.
Alle gegen alle
Für Somalier, die seit Jahrhunderten im Clansystem leben, gibt es nichts Schlimmeres, als von der Gesellschaft und der Familie verstoßen zu werden, wie es Libaan geschah. Dem Muslim waren Ausschnitte der frohen Botschaft in die Hände gefallen und er bekehrte sich zu Jesus Christus. Als er seine Freude mit seiner Familie teilen wollte, schrie und weinte seine Mutter. Er hatte Schande über sie gebracht. Isoliert und geächtet leiden Christen doppelt unter dem Krieg und den Folgen. Tragischerweise wirkt sich die Feindschaft unter den Clans auf die wenigen Hausgemeinden aus. Eine traditionelle Redewendung in Somalia sagt: "Ich gegen meinen Bruder, wir gegen die Familie, die Familie gegen den Clan, der Clan gegen Somalia, Somalia gegen die Welt."
(Juli 2011)