Chrétiens en Iran
 

Christen im Iran - Die Kirche im Iran zwischen Abwanderung, Verfolgung und neuem Leben

Der Iran ist für Christen das zweitschlimmste Land der Welt. Wegen der Verfolgung sind viele Gläubige ausgewandert. Gleichzeitig wächst im Geheimen eine neue Kirche von Christen muslimischer Herkunft heran. Sie sind bereit, alles für ihren Glauben zu tun, aber sie brauchen Unterstützung.

Seit der islamischen Revolution 1979 und dem Beginn des Mullahregimes aus schiitischen Geistlichen hat die Kirche im Iran einen schweren Stand.
Mit dem Machtantritt von Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich die Lage weiter verschlechtert. Bespitzelung, Hausdurchsuchungen, Verhöre, Misshandlungen und Gefängnis sind nur einige Druckmittel, mit denen das Regime versucht, Christen muslimischer Herkunft zum Islam zurückzubringen.

Kirche von ehemaligen Muslimen
Wegen der Verfolgung sind viele traditionelle Christen in den vergangenen Jahren in westliche Länder ausgewandert. Gleichzeitig nimmt im Iran die Zahl der Christen mit muslimischem Hintergrund zu: 350‘000 von den geschätzten 450’000 Gläubigen im Land sind ehemalige Muslime. Den Kirchen ist es unter Androhung von harten Strafen verboten, diese Christen aufzunehmen. Daher haben sich im ganzen Land kleine Hausgemeinden gebildet. Die iranische Geheimpolizei tut alles, um sie aufzuspüren. Sie durchsucht Wohnungen und verhaftet Gemeindemitglieder. Offiziell werden ihnen dann Drogenhandel, Staatsverrat, Aktivitäten gegen den Islam oder andere Verbrechen vorgeworfen. In den Gefängnissen werden sie misshandelt und unter Druck gesetzt, damit sie Mitchristen verraten. Häufig wird ihnen mit dem Entzug des Sorgerechts für ihre Kinder gedroht, die dann zu Muslimen erzogen werden sollen.

Gottesdienst als Party getarnt
Trotz allem kommen weiterhin Muslime, manchmal ganze Familien, zum Glauben. Sie treffen sich heimlich im kleinen, privaten Kreis, wie Sarah* erzählt: "Wir tun jeweils so, als würden wir ein Fest feiern. Singen geht leider nicht, wegen der Nachbarn. Aber wir tauschen uns aus und beten. Ich lerne viel über den Glauben. Aus Sicherheitsgründen treffen wir uns jedes Mal an einem anderen Ort. Ein Mitglied war zwei, drei Monate im
Gefängnis. Seither kann er nicht mehr kommen. Aber unser Leiter hat Kontakt mit ihm."
Bei den neuen Hausgemeinden ist die Nachfrage nach fundierter Lehre gross, sagt eine Mitarbeiterin von Open Doors. "Viele Christen wissen kaum etwas über die Bibel oder vermischen muslimische und christliche Lehren." Ein Mann, der von Jesus Christus geträumt hatte, betete ein Jahr lang zu dem ihm unbekannten Mann, bis er in einem Glaubenskurs andere Christen und die Bibel kennenlernte.
* Name geändert

Alles für Jesus
Viele Christen muslimischer Herkunft betrachten Verfolgung als Teil ihres Christseins. Sie rechnen damit, dass der Druck weiter zunimmt. Doch sie sind bereit, einen hohen Preis zu zahlen, weil sie in Jesus Christus die Liebe Gottes und damit die Befreiung vom Joch des Islam erfahren haben. Sie brauchen den Beistand der weltweiten Kirche Jesu im Gebet und mit konkreter Unterstützung. Open Doors setzt alles daran, die wachsenden Gemeinden ihren Bedürfnissen entsprechend zu unterstützen.

Islamische Glaubensführer machen gegen Hausgemeinden mobil
Seit Weihnachten 2010 ist im Iran eine Verfolgungsjagd auf Hausgemeindechristen im Gang. Auslöser waren Reden mehrerer religiöser und politischer Führer im Oktober, in denen sie gegen die Hausgemeindebewegung und andere religiöse Minderheiten hetzten. Der oberste islamische Glaubensführer Ayatollah Ali Khamenei sagte, sie seien Staatsfeinde, die durch die Verbreitung ihres Glaubens die religiösen und sozialen Werte des Landes untergraben wollten. Wie Ende Januar bekannt wurde, sind seit Weihnachten schätzungsweise 120 Christen verhaftet worden. Einige wurden nach Verhören und wochenlanger Einzelhaft freigelassen und mussten ein schriftliches Versprechen abgeben, dass sie keine Hausgemeinden mehr besuchen würden. Viele sind noch immer im Gefängnis, vor allem Hausgemeindeleiter und es kam zu mehreren weiteren Festnahmen.

Ein Analyst sagte, Khameneis Rede beweise, dass die Regierung sich der existierenden Hausgemeindebewegung bewusst sei und sie als Bedrohung betrachte. "Es war das erste Mal, dass wir öffentlich erwähnt wurden", sagte ein Kirchenleiter, der anonym bleiben wollte. "Solche Reden haben schlimme Folgen. Nicht, dass die Bevölkerung mit Gewalt reagieren würde, aber hinter den Kulissen werden der Geheimdienst und die Glaubenspolizei Maßnahmen einleiten. Das fürchten wir am meisten. Andererseits könnte es auch positive Auswirkungen haben, indem heimliche Gläubige und Gottsuchende sich nun aktiv nach einer Gemeinde umschauen."

"Wir Christen müssen uns zwar in Hausgemeinden verstecken und viele Schwierigkeiten ertragen. Doch die Kirche im Iran ist wie eine Ameisenkolonie: Man sieht uns nicht, aber wir sind da!"

April 2011