mariam and marzieh
 

Interview: Die Christinnen Maryam und Marzieh berichten über ihre Zeit im Gefängnis

Weil sie Jesus nachfolgen, wurden sie eingesperrt. Zum ersten Mal seit ihrer Freilassung sprechen Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh über die achteinhalb Monate im berüchtigten Gefängnis Evin in Teheran.

Einzelhaft, Hinrichtungen, Todesangst: Für ihren neuen Glauben gingen Maryam Rostampour (29) und Marzieh Amirizadeh (32) durchs Feuer. Im März 2009 wurden sie verhaftet und 259 Tage lang wegen Apostasie (Abfall von Islam) im Gefängnis Evin in Teheran eingesperrt. Sie verbrachten Wochen in Einzelhaft und wurden von Beamten und muslimischen Geistlichen verhört und unter Druck gesetzt, damit sie zum Islam zurückkehren. Am 18. November 2009 wurden sie freigelassen; im Frühjahr 2010 freigesprochen mit der Warnung, keinen christlichen Aktivitäten mehr nachzugehen. Open Doors hatte weltweit zum Gebet und zu einer Schreibkampagne für die beiden Christinnen aufgerufen. Inzwischen haben sie den Iran verlassen. Mit dem Hilfsdienst "Elam Ministries" sprachen sie zum ersten Mal über die Zeit im Gefängnis und wie sie trotz der prekären Umstände dem Glauben treu bleiben konnten. Hier das übersetzte und gekürzte Interview.

Was war das Schlimmste, das ihr im Gefängnis erlebt habt?
Marzieh Amirizadeh:
Die Hinrichtungen. Mit einem der Opfer hatte ich die Zelle geteilt. Eine Frau, die ich jeden Tag sah, und plötzlich war sie verschwunden. Nach den Exekutionen herrschte Totenstille. Wir waren von Trauer überwältigt und schockiert, starrten uns nur an und brachten kein Wort hervor. Es war grauenhaft.

Habt ihr befürchtet, dass ihr selbst zum Tod verurteilt werden könntet?
Marzieh:
Ja. Ich hätte nie gedacht, dass man solche Angst haben kann. In der ersten Nacht in Haft sperrte man uns in einen dunklen, schmutzigen Raum. Wir waren wie gelähmt vor Entsetzen. Wir beteten, und die Gegenwart Gottes gab uns Frieden. Früher glaubte ich, ich würde frohen Mutes mein Leben für Jesus geben. Doch wir sind Menschen. Nur weil Gott uns Kraft gab, konnten wir mit der Angst fertig werden.
Maryam Rostampour: Falls wir nicht zum Tod verurteilt würden, drohte uns lebenslange Haft. Das ist die übliche Strafe für Frauen wegen Apostasie.

Wie wurdet ihr von den Wärtern behandelt?
Maryam:
Zu Beginn sehr schlecht, als sie erfuhren, dass wir an evangelistischen Aktionen teilgenommen hatten. Sie verfluchten uns und verboten uns, von der öffentlichen Wasserleitung zu trinken oder die Waschbecken zu benutzen. Mit der Zeit änderte sich das. Manche baten uns sogar, für sie zu beten.

Wie verhielten sich eure Mitgefangenen?
Maryam:
Viele schimpften uns "Mortad Kasif" (unreine Abtrünnige). Doch als sie uns besser kennen lernten, respektierten sie uns und wurden neugierig auf unseren Glauben. Wenn es Streit unter ihnen gab, baten sie uns zu schlichten.

Kamen Mitgefangene zum Glauben an Jesus?
Maryam:
Ja. Zuerst waren wir im Frauengefängnis in Vozara. Dort beteten wir für Prostituierte. Sie baten um Vergebung für ihre Sünden. Aber es gab andere, die sich nicht trauten, ihren Glauben kundzutun.
 
Ihr seid trotz allem eurem Glauben treu geblieben. Was hat euch ermutigt?
Marzieh:
Wir spürten, dass Tausende sich im Gebet und durch Briefe mit uns vereinten. So fühlten wir uns nicht allein. All diese Gebetskämpfer standen uns zur Seite. Das war eine grosse Ermutigung.

Was geschah mit den vielen tausend Briefen, die euch ins Gefängnis geschickt wurden?
Marzieh:
Wir haben keinen einzigen Brief erhalten. Aber wir wussten davon, und das allein hat uns Mut gemacht. Die Wärter, die die Briefe öffneten, wurden von den Bibelversen und Gebeten berührt. Ab und zu erwähnten sie ein Zitat daraus. Mit fehlen die Worte, um all jenen ausreichend zu danken, die uns schrieben und für uns beteten.
Maryam: Ein Wärter sagte uns, dass täglich 40 bis 50 Briefe eintrafen. Er war beeindruckt zu sehen, wie die Christen zusammenhalten. Das gab uns Hoffnung und Mut. Und es half uns, durchzuhalten.

«Bitte, hört nicht auf, für jene zu beten, die wegen ihres Glaubens im Gefängnis sitzen, sei es im Iran, in Afghanistan, Pakistan oder anderen Ländern. Glaubt nicht, dass eure Gebete machtlos sind.»
Maryam und Marzieh

Dezember 2011